Infürth

Was manche wissen und andere nicht wahr haben wollen, bin ich unlängst nach Fürth gezogen. Aus mir ziemlich unverständlichen Gründen reagieren die meisten meiner Freunde mit einer Mischung aus Unglauben, Entsetzen und Ekel auf diese Information.

Ich persönlich kann diese Reaktionen nicht so richtig verstehen. Klar ist es etwas gewöhnungsbedürftig, dass gelegentlich Blut aus den Wasserhähnen fließt und Mittwochs um die Mittagszeit marodierende Wikingerhorden durch die Innenstadt ziehen, es ist jedoch nichts, womit man sich nicht arrangieren könnte.

Zu den unschlagbaren Vorzügen von Fürth zählen auf jeden Fall die geringen Lebenshaltungskosten. Wegen der Beulenpestepidemie stehen momentan viele Wohnungen frei und werden echt für ‘n Appel und ‘n Ei vermietet. Apropos, ein bisschen Verhandlungsgeschick vorausgesetzt kann man sich hier schon für drei Glasperlen und eine halbe Pulle Feuerwasser mit geräuchertem Büffelfleisch und Ziegenmilch für einen ganzen Monat eindecken. Da kann man echt nicht meckern, höhö.

Ein Problem, das sich freilich nicht wegdiskutieren lässt, ist die organisierte Kriminalität, die diese Bezeichnung leider wirklich nicht verdient hat. Die verschiedenen Gruppierungen kriegen es einfach nicht auf die Reihe, die Stadt untereinander aufzuteilen. Scheinbar scheitern Verhandlungen immer wieder daran, dass man keine gemeinsame Sprache findet. Offensichtlich stellen sich besonders die isländischen Heroindealer und die taubstummen Schutzgelderpresser quer.

So kommt es auch, dass unbescholtene Bürger immer wieder selbst zur Waffe greifen müssen um ihr Hab und Gut zu verteidigen oder einen Parkplatz zu bekommen. (Das ist auch so ein Problem in Fürth – Autos anzünden, da sind alle gleich dabei, aber das Wrack dann später zur Seite hieven um den Parkplatz wieder freizugeben, auf die Idee kommt dann keiner.)

Apropos Unterhaltung: Fürth hat auch ein paar schöne Sehenswürdigkeiten. Sehr zu empfehlen ist etwa das Wurmlochhaus, das um sich selbst geschlungen auf sich selbst steht und fortwährend sphärische Klänge und Schreie aus der Unterwelt ausstößt. Auch der Cthulu-Tempel gegenüber ist ziemlich beeindruckend – man sollte es nur meiden, dort nach Sonnenuntergang aufzukreuzen, es sei denn, man steht darauf, bei lebendigem Leibe gehäutet und verspeist zu werden ;-) Besonders bei alteingesessenen Fürthern beliebt ist auch die jedes Jahr im Mai stattfindende “Lange Nacht der öffentlichen Hinrichtungen” und der Pferdepuff.

Alles in allem muss man wirklich sagen, dass Fürth wesentlich besser ist als sein Ruf. Wer sich persönlich davon überzeugen will, ist jederzeit zu Tee und Gebäck in meiner Wellblechhütte willkommen! (Bitte vorher bescheidgeben, damit ich ihn am Bahnhof abholen kann – alleine ist der Weg durch das Minenfeld ein bisschen tricky)

 

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One Response to Infürth

  1. Bernhard P. says:

    Ich war im Traum mal in Fürth. Schweißgebadet bin ich aufgewacht.

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